• Nathanaël Wenger

Brillen und Design

Aktualisiert: 21. Nov 2018



„Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.“

Antoine de Saint-Exupéry, Schriftsteller, aus „Terre des Hommes“, 1939

Was ist eigentlich gutes Design? Warum gefällt uns ein bestimmtes Auto, ein Schuh, eine Uhr oder eben eine Brille und warum nicht? Wieso verkauft sich eine bestimmte Brillenmarke oder ein Brillenmodell gut und ein anderes weniger? Als Augenoptiker haben wir tagtäglich sehr viel mit dem Thema Design zu tun. Wir reden vom Glasdesign bei Progressivgläsern, die Einrichtung des Verkaufsladens soll funktionell sein und dennoch gut aussehen. Wir verkaufen jeden Tag Produkte, bei denen das Design eine zentrale Rolle spielt.


Was aber ist gutes Design?

Wir haben diese Frage mit Olivia Delorme und Tobias Wandrup (siehe Bilder unten), den beiden Designern von Ørgreen Optics diskutiert. Sie sind verantwortlich für das dynamische und kompromissloste Design der Brillen aus Kopenhagen. Dank ihnen gehört Ørgreen zu den Trendsettern der Brillenbranche.

Was ist ihr Erfolgsrezept? Wenn man über das Design der Ørgreen-Brillen nur drei Dinge sagen sollte, um es möglichst treffend zu beschreiben, dann ist es Gradlinigkeit, Dynamik und Farbe.


Teamwork

Tobias, der Chefdesigner und einer der drei Firmengründer und Olivia ergänzen sich perfekt. Die beiden sind wie Ying und Yang. Wenn ich sie zusammen sehe, erinnern sie mich an ein altes Paar. Tobias ist der sportliche, maskuline, wilde und technisch interessierte Mann. Olivia ist die Ästhetin, sie ist feminin, modisch und elegant. Tobias zieht sich gerne mal auf eine Insel zurück, Olivia ist sehr urban. Tobias wohnt in Kopenhagen und ist für die geraden dynamischen Linien verantwortlich. Olivia lebt in Berlin und ist zuständig für alles, was rund und filigran ist. Ergänzt wird das Team durch Sahra, die sich ausschliesslich mit Farbkombinationen beschäftigt und den Brillen somit neben der reinen Formensprache eine weitere Dimension verleiht.

Feedback ist erwünscht. Es sind aber noch viel mehr Personen im Designprozess involviert. Dieser findet nicht nur hinter den Mauern des Firmensitzes statt. Die Designabteilung arbeitet eng mit der Produktion und dem Verkauf zusammen. Man holt sich das Feedback auch direkt von der Front, von den Vertriebsgesellschaften, welche auf der ganzen Welt den Fachhandel mit Ørgreen-Brillen beliefern. Somit sind auch wir ein kleines Mosaiksteinchen im Designprozess von Ørgreen!


Keine halben Sachen

Die Produktion in Japan ist sehr kosten- und zeitintensiv. Ungenauigkeiten im Design würden viel zu teuer zu stehen kommen. Der Produktionsprozess einer neuen Kollektion dauert 3-6 Monate. Gestartet wird mit Handskizzen. Am Computer werden anschliessend 2D-Zeichnungen erstellt. Bei Ørgreen verwendet man dazu ein spezielles Tablett, bei dem man direkt mit einem Stift auf den Bildschirm zeichnet. Die Bewegungen beim Zeichnen mit einem Stift sind natürlicher als jene beim Zeichnen mit einer Maus. Steht die Zeichnung, werden die ersten Prototypen aus Metall in Dänemark hergestellt. Für die Verfeinerung kommen noch 3D-gedruckte Formen hinzu. Erst wenn die definitive Form bestimmt ist, wird ein von Hand gefertigter Prototyp aus Titan in Japan hergestellt. Durch diesen aufwendigen Designprozess können Formen laufend optimiert und Fehler ausgemerzt werden.


Die Matrix

Das Erfolgsrezept ist ein einfaches Excelsheet. Bei der Entwicklung der Kollektion verfolgt Ørgreen einen sehr systematischen Ansatz. Die Kollektion wird ständig analysiert und verfeinert. Es ist fast wie Mathematik. Ørgreen arbeitet mit einer Matrix, auf der alle bestehenden Modelle aufgelistet und nach Grösse und Stil unterteilt sind. Auf diese Weise sieht man auf einen Blick, welche Grösse und welcher Stil in der Kollektion fehlt. Die Kollektion ist sehr breit aufgestellt. So lässt sich praktisch für jeden Personentyp und Grösse ein passendes Ørgreen-Modell finden.

Anhand der Matrix wissen die Designer immer, was zu tun ist: Beispielsweise fehlt eine grosse, moderne Brille für Frauen oder es braucht ein kleines, klassisches Modell für Herren. Es versteht sich von selbst, dass die Begriffe klar definiert sind: Modern, urban, jung, dynamisch, etc. Gerade diese klare Vorstellung des Zielkunden hilft im Designprozess. Durch diese Arbeitsweise stellt Ørgreen sicher, dass die Kollektion ein breites Publikum abdeckt und anspricht.


Inspiration?

Und wo finden die Ørgreen-Designer ihre Inspirationsquellen? Darüber könnte man ein eigenes Kapitel schreiben. Zusammengefasst kann man sagen, dass es praktisch nichts gibt, von dem sich die Designer nicht inspirieren lassen könnten. Es kann Kunst oder Architektur sein, es kann sich um Accessoires oder ganz einfache Alltagsgegenstände handeln. Es gilt, die Impulse aufzunehmen, zu verwerten und in eine Form zu bringen. Dabei geht es immer auch darum, den Zeitgeist zu treffen und in den Brillenformen und Farben bestmöglich auszudrücken.




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