• Nathanaël Wenger

COVID-19 quo vadis? Teil 2

von Nathanaël Wenger



Eigentlich wollte ich mir eine Auszeit bis zum Sommer nehmen. Dass sie nun staatlich verordnet wurde, war so nicht geplant. Jetzt sind wir schon vier Wochen im Lockdown und wir sehen langsam Licht am Ende des Tunnels.


Der Bundesrat hat diese Woche informiert, wie er den Lockdown langsam wieder lockern wird. Ich rechne damit, dass Augenoptiker-Geschäfte Anfang Mai wieder «normale» Öffnungszeiten anbieten werden. Mitte Mai werden alle Detaillisten wieder öffnen und Anfang Juni sollte wieder Normalbetrieb sein. Wie ich in Teil 1 geschrieben habe, rechne ich für die Optikbranche mit einem 'busy summer'!


Bei allem Desaster, das durch das Coronavirus verursacht wurde, kann ich auch viele positive Aspekte in der Krise entdecken. Hier ein paar persönliche Eindrücke, was ich aus dem Lockdown für mich mitnehme:


Neue Gewohnheiten


Laut Maxwell Maltz braucht es mindestens 21 Tage, um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Das alte mentale Bild wird aufgelöst und ein neues entsteht. Natürlich ist jeder Mensch unterschiedlich und bei vielen dauert dieser Prozess länger. In der Regel kann ich mich gut auf neue Situationen einlassen und mich schnell anpassen. Mit Strukturen tue ich mich schwer, obwohl diese in der aktuellen Situation sehr wichtig wären…


Meine Familie kommt erstaunlich gut mit der Situation klar. Die Beziehung zu Frau und Kindern wird eher gestärkt und ich empfinde die Extrazeit, die ich mit ihnen verbringen darf, als äusserst wertvoll. Auch die Schule hat sich schnell auf die neue Situation eingestellt, und zumindest meine Tochter scheint Spass an der neuen Art der Wissensvermittlung zu finden.


Die Leichtigkeit des Seins


Der Garten wird auf den Kopf gestellt, zum Glück spielt das Wetter mit. Ich habe drei Sträucher gesetzt, die Trockenmauer sollte bald fertig sein. Ich freue mich auf eine kleine, aber feine Magerwiese mit einer schönen einheimischen Blumenpracht!


Mein Medienkonsum reduziert sich, das Handy ist nicht mehr mein ständiger Begleiter. Längere Spaziergänge in der aufblühenden Natur regen zum Nachdenken an und sind eine willkommene Abwechslung zum Home-Office.


Die aufgezwungene Entschleunigung tut gut, langsamer geht auch. Ich habe dutzende Termine ersatzlos gestrichen. Viele davon werden wohl auch nach dem Lockdown nicht mehr nachgeholt. Die Welt dreht sich trotzdem weiter. Der Terminkalender ist praktisch leer, das ist befreiend. Die Leichtigkeit des Seins stellt sich ein. Weniger ist definitiv mehr.



Krisen machen uns kreativ


Feste Gewohnheiten und Strukturen werden aufgelöst, etwas Neues entsteht. Ich nehme mir mehr Zeit, um meine Situation zu analysieren und Bestehendes zu hinterfragen. Im Hinterfragen und (virtuellen) Austausch mit Freunden entstehen neue Ideen und Wege. In unsicheren Zeiten muss man improvisieren und das kommt mir als halber Franzose entgegen.


Nachdem ich alle meine vermeintlich wichtigen Unterlagen in eine Kartonschachtel gepackt und mit nachhause genommen habe, fange ich an, meine bisherige Arbeitsweise kritisch zu hinterfragen. Wäre jetzt nicht ein guter Moment, ein papierloses Büro einzurichten? Soll ich meine unzähligen To-do-Listen neu mit Trello digital verwalten anstatt diese auszudrucken und die erledigten Aufgaben mit dem Bleistift abzuhaken?


Neuer Look und Lebensstil


Eigentlich wollte ich im Sommer mein Augenoptiker-Geschäft sanft erneuern. Dank dem Lockdown und flexiblen Handwerkern konnte ich den Umbau vorverlegen. Heute hat der Maler seinen letzten Pinselstrich gesetzt. Am Montag wird die Werkstatt auf Hochglanz poliert und neue Regale werden montiert. Und Ende Mai wird der neue Boden verlegt.


Meine Auszeit habe ich mir irgendwie anders vorgestellt, aber ich hoffe, dass ich die vielen positiven Aspekte in die neue Normalität nach dem Lockdown mitnehmen und in den kommenden Monaten weiter vertiefen kann.

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